Mut zur Hässlichkeit

Die Mode ist vielseitig und interessant, sie ist richtungsweisend und innovativ, sie verrät etwas über unsere Herkunft, über unseren sozialen Stand und im Optimalfall auch über unsere innere Einstellung. Mode ist so bedeutsam, weil sie ein Ausdrucksmittel ist, auf das wir nicht mehr verzichten können. Natürlich wollen wir gut aussehen, aber wir wollen auch etwas aussagen. Die Extrovertierten unter uns möchten möglichst individuell sein, sie möchten sich von der Masse abheben und zeigen, dass sie das mit der Mode verstanden haben. Dabei kommen nicht selten die außergewöhnlichsten Kreationen zu Tage und genau diese Outfits sind es dann, die die Streetstylefotografen vor ihrer Linse haben wollen.

All das ist vollkommen verständlich, denn es muss auch die “Individuellen” geben, um ein Gleichgewicht in der Gesellschaft zu schaffen. Aber den Trend, der ganz stark in Richtung Hässlichkeit tendiert, den versteht man nur schwer. Es scheint fast so zu sein, als sei die Hässlichkeit nicht mehr eine nebensächlich auftretende Erscheinung, sondern pure Absicht, um zu beweisen, dass die Mode einem ja so vollkommen schnuppe ist. Bedeutet das aber auf der anderen Seite, dass all diejenigen von uns, die sich nur eher unfreiwillig hässlich kleiden, der Mode aussichtslos verfallen sind? Kann man die Mode nicht auch auf die schöne Weise genießen, ohne sich von ihr abhängig zu machen? Es ist doch nichts dabei, wenn man sich hin und wieder an den sogenannten Trends orientiert, passende Teile miteinander kombiniert und auch auf Fashion-Shows so gar nicht außergewöhnlich aussieht. Wichtig ist doch nur, dass die Mode zu dem jeweiligen Charakter passt und das unterstreicht, was man fühlt. Wenn das die Hässlichkeit ist, dann ist das ok, aber erzwingen sollte man sie nicht. Außerdem liegen Schönheit und Hässlichkeit ja auch im Auge des Betrachters. Wer sich z.B. von einem Nerd Look angesprochen fühlt, wer sagt, dass das dann gleichbedeutend mit “hässlich” ist? Mode sollte also vor allem ausdrücken wer und was man ist und den Charakter unterstreichen. Und über Geschmack lässt sich ja bekanntlich auch nicht streiten…

(Bildquelle: iStock)

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